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Düsseldorf/Paderborn, 5. Oktober 2004 - Der KarstadtQuelle-Konzern
steht vor einem radikalen Umbau. In einem Gastbeitrag des
Westfalenblatts analysiert der Mitgeschäftsführer der
Klingenthal-Gruppe (Paderborn) und Vizevorsitzender des
Einzelhandelsverbandes Ostwestfalen-Lippe Ferdinand Klingenthal
Ursachen der Krise und zieht Schlussfolgerungen für die Sicherung
des Einzelhandels in Deutschland.
Die Ursachen für die Schwierigkeiten der KarstadtQuelle AG sind
vielfältig und reichen lange zurück. Stichworte sind: Zuviel
Verkaufsfläche in Deutschland, zuviel von Kunden bevorzugte und
kostengünstige Verkaufsfläche an den Peripherien unserer Städte,
die Politik gegen den Pkw in Innenstädten, das seit zwölf Jahren
sehr schlechte Konsumklima, die in der Ausprägung einzigartige
deutsche Preisorientierung, Fehler des Managements in der Krise,
betonierte Tarifverträge, wachstumsfeindliches Arbeitsrecht,
überzogene Regelungslust der deutschen Obrigkeit.
Der Ausbruch der aufgestauten fundamentalen Strukturprobleme bei
KarstadtQuelle bringen die Branche endlich in den Blickpunkt, den
sie in diesen Zeiten der Veränderung verdient. Leider, leider muss
"die Nase erst bluten", ehe Fehlentwicklungen wahrgenommen
werden. Alle Warnungen wurden von den Verantwortlichen in Politik
und Verwaltung seit 10 bis 15 Jahren als egoistische
Interessenvertretung abgetan. Man wusste es besser!
Kleine Unternehmen und deren Mitarbeiter haben in Deutschland keine
Lobby. Nach wie vor sind sie für alle Parteien die ungeliebten
Lastesel der Nation: Dem Mittelständler tut es weh, nur in
Sonntagsreden gewürdigt, im tiefen Inneren aber nicht gemocht zu
werden. Staatliche Hilfen für Karstadt wären ein höhnischer
Schlag in das Gesicht eines jeden Mittelständlers einschließlich
der Millionen Mitarbeiter dort!
Was sind die Chancen in dieser nun unverdeckten Krise?
- 89 Warenhäuser, die 80 Prozent des Warenhausumsatzes
darstellen, erhalten eine echte Chance, ohne "Ballast"
weiterzuleben und zu gesunden. Andere Unternehmensteile können
in solche unternehmerische Hände gelangen, die sich genau auf
dieses Geschäft besonders verstehen, und somit ebenfalls
überleben.
- Innenstadtpolitik wird sich deutlich festlegen müssen, ob sie
Handel draußen oder drinnen möchte. Wir Händler können
beides, benötigen dafür allerdings unbedingt langfristige
Planungsgrundlagen. Der innerstädtische Fachhandel wird nun
eher als wertvoller und zu pflegender Bestandteil des urbanen
Lebens erkannt werden.
- Die primitiven und für die gesamte Einzelhandels-Struktur
schädlichen Rabattschlachten dürften ein Ende haben.
- Der Druck hin zu flexibleren Entgelt-Tarifen und einem
stärker auf Problemlösungen orientierten Arbeitsrecht erhält
weitere Nahrung.
- Viele der zur Verfügung gestellten Warenhäuser in kleineren
Städten bergen die Chance in sich, dauerhaft gesichert
weiterbetrieben zu werden - zumindest in den Erdgeschossen. Die
für Innenstädte lebenswichtige Kundenfrequenz wird dann nicht
leiden. Für Überlegungen zu Kampfmaßnahmen der Gewerkschaften
gegen das Unternehmen angesichts dieser Perspektiven und einer
Kapitalspritze der Eigentümer in Höhe von 500 Millionen Euro
fehlt sicherlich nicht nur mir das Verständnis völlig.
Der September 2004 markiert einen Wendepunkt hin deutschen
Einzelhandel mit der Perspektive hin zum Besseren.
Ferdinand Klingenthal |