| "Standort Innenstadt -
Raum für Ideen" lautet der Titel des Gemeinschaftsprojektes,
das neue Wege im Kampf gegen das Problem der Ladenleerstände in den
Innenstädten beschreitet. Initiatoren des Modellprojektes sind die
METRO Group und ihre Kaufhof Warenhäuser, das Städtebau- sowie das
Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen. Zudem engagieren sich
der Warenhauskonzern Karstadt und der Einzelhandelsverband NRW.
Gemeinsam mit Vertretern der fünf beteiligten Städte Bochum,
Essen, Gelsenkirchen, Mülheim a. d. Ruhr und Oberhausen stellten
sie in der Stadthalle Mülheim Idee, Hintergründe,
Handlungsschritte und Ziele der Gemeinschaftsinitiative vor. Über
400 Vertreter aus Handel, Verwaltung, Kultur und
Immobilienwirtschaft, Planer und Grundstückseigentümer folgten der
Einladung nach Mülheim.

Foto: Uwe Jesiorkowski
Ziel der Initiative in den kommenden zwei Jahren ist es,
innovative und beispielhafte Lösungen zu entwickeln, um Leerstände
zu verhindern, zu beseitigen und Zwischennutzungen zu finden.
Außerdem geht es um kreative Konzepte, wie sich City-Immobilien und
Flächen anders nutzen lassen. In den fünf Modellstädten soll ein
Umdenkungsprozess in Gang gesetzt werden: Sie sollen neue Ideen zu
Themen wie Flächenwachstum, Stadt-Inszenierung und
Leerstandsbekämpfung erarbeiten.
Aus Sicht der Initiatoren weiterhin wichtig für den Projekt-Erfolg:
Mut zu einem neuen Umgang mit der Problematik. "Wachstum und
Innovation entstehen vor allem dort, wo die Heterogenität der
Interessen und Denkweisen am größten ist", sagte
Städtebauminister Dr. Michael Vesper und lobte die
Kooperationsfähigkeit der Beteiligten: "Einzigartig ist, dass
diese Initiative ganz wesentlich auf die Beschäftigten im
Einzelhandel zurückgeht und diese gemeinsam mit den Unternehmen
Verantwortung für den Standort Innenstadt übernehmen."
NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau betonte die bedeutende
Stellung NRWs als der führende Handelsstandort in Deutschland und
die große Verantwortung, die auf dem Einzelhandel in der Innenstadt
liegt: "Das Stadtzentrum ist ein wichtiges Milieu für Lebens-
und Freizeitgestaltung, eine Bühne für soziale Kontakte. Dem
Einzelhandel kommt dort eine Schlüsselrolle zu: Er zieht Menschen
in die Innenstädte, er ist ein wichtiger Arbeitgeber. Grund genug,
mit der Gemeinschaftsinitiative etwas für den Erhalt der Innenstadt
als Lebens- und Wirtschaftsraum zu tun."
Trotz Nachfrageschwäche der deutschen Verbraucher setzt sich das
Flächenwachstum weiter fort und beschleunigt die Auslese durch den
anhaltenden Flächen-, Kosten- und Preisdruck gewaltig. Durch den
hohen Wettbewerbsdruck wird somit eine Auszehrung von
Produktivitäten forciert. Prof. Dr. Dr. h. c. Erich Greipl,
Geschäftsführer der METRO Group, sieht hier Handlungsbedarf und
fordert einen vernünftigen Umgang mit bestehenden Ressourcen:
"Nicht Erweiterung, sondern Qualifizierung und Inszenierung der
bereits heute übermäßig vorhandenen Flächen müssen im Zentrum
der zukünftigen und nachhaltigen Entwicklung stehen." Für
eine weitere Qualifizierung im Handel tritt Prof. Dr. Helmut Merkel,
Vorstandsvorsitzender der Karstadt Warenhaus AG ein, die das
Kooperationsprojekt ebenfalls unterstützt: "Für den Handel in
der Innenstadt wird es in Zukunft noch stärker darauf ankommen, den
Service und die Beratung für unsere Kunden auszubauen. Diese
Offensive nimmt einerseits die Interessen der Kunden auf, bedeutet
andererseits für uns die Notwendigkeit einer weiteren
Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Damit stärken wir den Standort
Innenstadt."
Neu und bislang beispiellos ist nicht nur die Vielzahl der
Akteure aus verschiedenen Bereichen, die das Kooperationsprojekt
"Standort Innenstadt - Raum für Ideen" initiiert haben,
sondern auch das erklärte Ziel, die Kreativität, die Wünsche und
Bedürfnisse all derjenigen einzubeziehen und zu berücksichtigen,
die in den Städten leben und arbeiten. "Um unsere Innenstädte
attraktiver gestalten zu können, wird es notwendig sein, die
Kreativität und die Intelligenz der Bürgerinnen und Bürger
einzubinden. Das wird heute noch viel zu wenig getan. Denn nicht wir
als Händler sind die wichtigsten in der Stadt, sondern die
Menschen, die zu uns in die Stadt kommen.", sagte Lovro Mandac,
Vorstandsvorsitzender der Kaufhof Warenhaus AG. Auch Klaus Bruns,
Gesamtbetriebsvorsitzender der METRO Group, sieht einen Nutzen in
der Beteiligung aller, die von der Leerstandsproblematik betroffen
sind: "Das Thema Innenstadt geht uns alle an. Je besser,
sicherer, attraktiver eine lebendige Innenstadt ist, umso sicherer
sind unsere Arbeitsplätze."
Für die fünf teilnehmenden Modellstädte ist "Standort
Innenstadt - Raum für Ideen" eine große Chance: "Aus
Sicht der teilnehmenden Städte kann das Projekt neue Akzente im
Bemühen um attraktive Innenstädte setzen und wichtige Impulse zu
deren Weiterentwicklung geben. Damit leistet es einen substantiellen
Beitrag zur Stärkung der integrierten Zentren, ohne die lebendige
Städte nicht denkbar sind", sagte Martin zur Nedden,
Stadtbaurat der Stadt Bochum.
Die große Resonanz auf die Auftaktveranstaltung belegt
nachdrücklich, dass das Kooperationsprojekt mit dem Thema
"Leerstand" ein für viele NRW-Städte akutes Problem mit
dringendem Handlungsbedarf aufgreift. |